Die letzte ihrer Art im Viertel

Die Pinselfabrik Veillodterstraße 1 soll hochverdichteter Neubebauung weichen

Maximale Nachverdichtung
Hohe Bäume, Vorgärten und lichte Weite prägten einst die Veillodterstraße und ihr Umfeld. Die von hohen Bäumen und einem dekorierten Gusseisenzaun umsäumte ehemalige Pinselfabrik an der Ecke Veillodter- und Lindenaststraße ist nahezu alles, was von diesem Vorortidyll übrig blieb. Das zweigeschossige Gebäude mit Walmdach ist von der Straße zurückgesetzt. Mit seinem Garten ist es eine grüne Insel der alten Zeit inmitten der Häuserschluchten der Nachkriegszeit.

Doch die Pinselfabrik und ihr Garten sollen weg. Der derzeitige Eigentümer möchte mit einem Neubau, der unter dem nicht gerade bescheidenen Namen „Max Palais“ firmiert, kräftig nachverdichten. Die enge Bebauung der Nachkriegszeit von nebenan soll bis an die Veillodterstraße herangezogen werden. Ein gewaltiger, viergeschossiger Block mit hohem Dach und scharfer Kante zur Straßenkreuzung soll entstehen, wo jetzt noch ein historisches Haus und hohe Laubbäume stehen. Die unbedachte Nachverdichtung der Nachkriegszeit soll fortgesetzt und der letzte Rest der einst lockeren Bebauung vor diesem Abschnitt der Nürnberger Stadtmauer gewinnbringend bis zum Letzten ausgenutzt werden. Das ist aus Sicht des Investors verständlich. Aber ist es für dieses Viertel, für seine Bewohner, für das Stadtbild auch sinnvoll und vertretbar?

Insel der Gründerzeit
Die Pinselfabrik ist eines der ersten Bauwerke vor den Mauern der Altstadt. Sie entstand 1861, Jahre bevor die Nordstadt durch den Wegfall der Festungseigenschaft Nürnbergs planmäßig erschlossen werden konnte. Sie gehört zu den letzten Gebäuden, die an die bedeutende Nürnberger Industriekultur der Gründerzeit im Viertel erinnern. Die anderen – Schwanhäußer Stabilo, Staedtler und viele mehr – sie alle sind längst in die Vororte abgewandert, ihre Bauten verschwunden.

Die Pinselfabrik ist das einzige Gebäude der Veillodterstraße, das die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs überlebt hat. Der Bauträger wirbt in seinem Prospekt mit dem Charme des Viertels, das durch „großzügige Bürgerhäuser mit phantasievoll dekorierten Fassaden“ geprägt sei. Wie passt das mit der Absicht zusammen, ausgerechnet das letzte noch verbliebene historische Haus des Straßenzugs abreißen zu wollen?

Dringend benötigter Wohnraum?
In Nürnberg werden Wohnungen gebraucht. Vor allem Familien mit Kindern der mittleren Einkommensklassen suchen derzeit bezahlbaren Wohnraum. Wer glaubt, in der Veillodterstraße 1 entstünde durch den geplanten Neubau Wohnraum für die, die ihn am meisten brauchen, der irrt: Ortsfremde Kapitalanleger ohne Bezug zum Viertel, die über 4.500 Euro für den Quadratmeter netto kalt bezahlen – das sind über 1.000 Euro über dem Nürnberger Durchschnitt – erwarten selbstverständlich hohe Mieteinnahmen. Hier entsteht Wohnraum für reiche Kundschaft in einem „In-Viertel“.

Mit der Pinselfabrik in der Veillodterstraße droht ein weiteres Stück Nürnberger Vorortidylls für immer zu verschwinden. Kann sich Nürnberg nach den Zerstörungen des Krieges und der Nachkriegszeit solche Verluste noch länger leisten? Wir von der Stadtbild-Initiative sagen: Investitionen in neuen Wohnraum sind gut und richtig. Aber: Wenn wir weiterhin achtlos alles wegreißen, was sich vermeintlich „nicht rentiert“, wird unsere Stadt ihren Lebenswert nach und nach verlieren. Das Umfeld, in dem wir leben, gehört uns allen. Es ist wichtig für unser Wohlbefinden und unsere Identität. Und es ist bares Geld wert, denn nur, wo es schön ist, da wollen Menschen gerne leben und für ihren Wohnraum bezahlen. Warum also die Pinselfabrik in der Veillodterstraße nicht restaurieren? Warum nicht statt Hochverdichtung Wohnraum schaffen, der zwar weniger Rendite bringt, aber dem Stadtbild eine Augenweide bewahrt? Möglich wäre es.

Bilden Sie sich selbst eine Meinung und sehen Sie sich die bisherige Planung des Bauherrn an: http://www.bauhaus-bautraeger.de/fileadmin/files/Expose/150128_Maxpalais-Expose_ansicht.pdf

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