Abschied von der Siedlung Schillingstraße VII

Das Zerstörungswerk geht der Vollendung entgegen: Die letzte Zeile an der Schillingstraße wird nun abgerissen, der Bagger beginnt mit dem Eckhaus zur Sperberstraße, welches erst von einigen Jahren energetisch saniert wurde. Wenn in wenigen Tagen die Siedlung verschwunden sein wird, ist zugleich eine der ältesten wbg-Siedlungen in Nürnberg vernichtet. Das, was nachkommt, wird als Wettbewerbsgewinner bereits mit Vorschusslorbeeren bedacht, aber ob es auch diesen identitätsstiftenden Charakter mitbringen wird, bleibt abzuwarten. Fotos: © Boris Leuthold.

Abschied von der Siedlung Schillingstraße I

Wir haben uns intensiv und mit guten Argumenten beim Oberbürgermeister, bei den Stadtratsfraktionen und bei der wbg für den Erhalt des Ensembles Sperber-, Schilling-, Galvani- und Pillenreuther Straße eingesetzt – leider vergeblich. Nun rücken die Bagger an und vernichten ein „nicht-erhaltenswertes“, doch sehr  denkmalwürdiges Ensemble. Wieder verschwindet ein Stück gewachsenes Nürnberg. Ist das Nachhaltigkeit? Verträgt sich das mit der Ambition, Europäische Kulturhauptstadt zu werden? Wir werden mit einer Fotosequenz von unserem Mitglied Boris Leuthold Abschied nehmen.

Freitag, 2.12.16: Noch stehen die Häuser, die Gärten sind schon abgeräumt…

 

 

Pinselfabrik ist Geschichte

Die letzten Reste der Pinselfabrik verschwinden (© Heike Hein, 2015).
Die letzten Reste der Pinselfabrik verschwinden (© Heike Hein, 2015).

Die ehemalige Pinselfabrik in der Veillodterstraße 1 ist vernichtet. Seit Juni wurde das 1861 errichtete historische Industriegebäude Stück für Stück zerstört. Auch der letzte verbliebene Rest des alten Baumbestandes wird beseitigt. Die Zukunft wird zeigen, ob die Bauherrin Bauhaus Liebe & Partner der Aufgabe gewachsen ist, einen ansatzweise adäquaten Nachfolgebau an Stelle der Pinselfabrik zu errichten. Die bisher bekannten Plänen und Visualisierungen geben jedoch keinen Anlass zur Hoffnung (siehe Prospekt des Bauträgers, PDF).

Die Proteste der Bürgerinitiative „Erhalt der Pinselfabrik“ haben den Abbruch nicht verhindern können, doch hat der große Widerstand der Anwohner gezeigt, dass das Interesse am Erhalt historischer Bauten wächst. Dies ist ein positives Zeichen, auch wenn es für die Pinselfabrik zu spät kommt. Durch unüberlegte Abbrüche und lieblos geplante Neubebauung, die einzig nach Maßgabe größtmöglicher Rendite geschieht, verliert Nürnberg mehr und mehr an Charakter. Können wir es uns leisten, nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und den Sanierungswellen der Nachkriegszeit noch mehr von unserer städtebaulichen Geschichte zu opfern? Wir sagen: Nein. Denn was bringt den Bewohnerinnen und Bewohnern ein Umfeld, in dem sie nicht mehr leben wollen?