Jugendstilperle unter Wasser

Wasserschaden im Jugendstilhaus Schoppershofstraße 51 – mit welcher Konsequenz?

An einem Sonntagmorgen Ende August 2014 stand das Haus Schoppershofstraße 51 buchstäblich unter Wasser: Unbekannte hatten sich Zutritt zu dem Haus verschafft, das wegen Sanierungsarbeiten derzeit leer steht, und alle Wasserhähne geöffnet. Das Wasser durchnässte die Wände und Zwischendecken – die „Standfestigkeit des Hauses“ schien gefährdet. Mit seiner Putzfassade in Jugendstilformen gehört Nr. 51 zu den prägenden Bauten der Schoppershofstraße, die sich im südlichen Teil ihren ursprünglichen Charakter mit Mietshäusern der Gründerzeit und grünen Vorgärten erhalten konnte.

Geplant und erbaut hat das Haus im Jahr 1907 der Baumeister und Architekt Johann Gottfried Merkl, der sein Büro in der nahen Bismarckstraße 14 hatte. Wie der Bauherr unserer Tage errichtete er das Haus als Investitionsobjekt, verkaufte die Wohnungen – damals je zwei pro Etage – jedoch nicht, sondern vermietete sie an Handwerker, kleine Beamte und Kaufleute wie Reinhard Lange, der 1912 ein Gewerbe als Zuckerwarenhändler anmeldete. Der Laden im Erdgeschoss, der im Zuge der Sanierung rückgebaut wird, bestand ursprünglich nicht, sondern wurde erst nach 1927 eingebaut. Wahrscheinlich ist zur gleichen Zeit der Vorgarten in eine Pflasterfläche umgewandelt worden. Ein Blumenladen und verschiedene Imbissbetriebe waren hier zuletzt Pächter.

Baumeister Merkl schmückte die straßenseitige Fassade des Gebäudes mit farbigen Putzstreifen, die die Fensterachsen und somit die Höhe des viergeschossigen Baukörpers betonen. Kleinteiliger Stuckdekor aus Bändern mit dem für den Jugendstil typischen „Peitschenschwung“, geometrischem Ornament, stilisierten Girlanden und Kränzen sowie Kartuschen in Halbkreis-, Palmetten- und Herzform über den Fenstern kontrastiert mit den umgebenden glatten Wandflächen. Nicht zuletzt dieser originelle Fassadenschmuck war es, der einige Erwerber maßgeblich in der Entscheidung beeinflusste, eine der Eigentumswohnungen zu erwerben, die der aktuelle Bauherr im Gebäude einrichtet. Auch der Investor scheint die Qualität der Fassade und ihren Wert für die Vermarktung erkannt zu haben, denn im Gegensatz zu den Hofseiten soll die Front nicht mit gedämmt werden. Nun bleibt zu hoffen, dass das über einhundert Jahre alte Haus trotz des beträchtlichen Wasserschadens gerettet und der Schoppershofstraße einer ihrer architektonischen Glanzpunkte erhalten werden kann. Zusätzlich würde ein Austausch der wohl in den 1960er-Jahren eingebauten ungeteilten Fenster durch solche mit Galgenteilung der Wirkung des Hauses sehr zugute kommen.

Literatur

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