Sgraffito am Wöhrder Pfarrhaus von Dämmung bedroht

Kaum anderswo in Nürnberg waren die Verheerungen des Zweiten Weltkriegs so drastisch wie in Wöhrd. Die Nachkriegszeit baute den Stadtteil auf altem Grundriss, aber in zeitgenössischen Formen wieder auf. Dabei entstanden einige interessante Kratzputzbilder (Sgraffiti), die die Fassaden der ansonsten schlichten Bauten verschönern.

Eines dieser Bilder ist nun in Gefahr: Das Pfarrhaus der evangelisch-lutherischen Bartholomäusgemeinde am Weinickeplatz soll mit einer Fassadendämmung versehen werden. Das monumentale Sgraffito des Künstlers Kurt Busch, das gleichzeitig als Sonnenuhr dient, würde dadurch verschwinden. Es zeigt die Heilige Familie auf dem „Schiff der Kirche“ mit den Personifikationen von Glaube, Hoffnung und Liebe. Die Verheißung der Versöhnung Gottes mit den Menschen wird durch die „Galionsfigur“ der Taube mit dem Ölzweig als Zeichen für das Ende der Sintflut verdeutlicht.

Wir finden: Wöhrd hat gerade in den letzten Jahren so viel an seiner durchaus erhaltenswerten Substanz der Nachkriegszeit einbüßen müssen. Ein prägendes und kunsthistorisch wertvolles Fassadenbild darf nicht einfach aus dem Stadtbild verschwinden! Derzeit prüft das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, ob das Pfarrhaus oder zumindest das Wandbild in die Bayerisch Denkmalliste aufgenommen wird. Wir drücken die Daumen!

Foto: © Boris Leuthold, 2017

 

Dr.-Karl-Theodor-Marx-Haus: Der Abbruch hat begonnen

Das Wohnungsbauunternehmen WIN ist dabei, an der Flaschenhof- und der Marienstraße Tatsachen zu schaffen, obwohl für die Neubebauung noch keinerlei Pläne veröffentlicht wurden. Wieder einmal wird in Nürnberg mit dem Dr.-Karl-Theodor-Marx-Haus ein wertvolles historisches Zeugnis der Stadt- und Architekturgeschichte geopfert.

Wohnungen werden fraglos gebraucht. Doch wer möchte in einem Umfeld leben, dass all seinen Reiz und seine historische Identität verloren hat? Pragmatiker werden einwenden, es gäbe dringendere Probleme. Und werden anschließend ins sonnige Italien oder nach Frankreich fahren und ihren Lieben Ansichtskarten pittoresker Altstädte schicken, während daheim die Bagger Altbau um Altbau niederreißen – verkehrte Welt.

 

Siedlung Heimgartenweg: Häuser Waldluststraße 111-121 abgerissen

Schneller als erwartet hat das Wohnungsbauunternehmen Nürnberg-Ost an der Waldluststraße Tatsachen geschaffen und den Sechsspänner Nr. 111-121 abgerissen. Angeblich hätte sich eine Sanierung der Bauten aus den 1920er Jahren nicht gelohnt. An ihrer Stelle soll nun ein (verdichteter) Neubau entstehen.

Obwohl der Vorstadtverein Zabo e. V. und die Stadtbild-Initiative Nürnberg für den Erhalt der Häuser in die Bresche sprang und auch die Lokalpresse Stellung für die historischen Siedlungshäuser bezogen hat, sind die Häuser am Ende gefallen. In einer Umfrage im April, bei der 680 Personen teilnahmen, erklärte eine überwältigende Mehrheit von knapp 67 Prozent, dass sie den Charakter der Siedlung am Heimgartenweg erhalten wissen will und es keine weiteren Abbrüche mehr geben dürfe. Zu einer Erhaltungssatzung für das Gebiet konnte sich die Stadt Nürnberg bisher nicht durchringen.

Immerhin hat der gemeinsame Einsatz der Institutionen eine Diskussion in Gang gesetzt, ob und wie die „Siedlungshochburg“ ihren historischen Charakter erhalten kann, ohne dass die Einwohner dabei auf zeitgemäße Wohnverhältnisse verzichten müssen. Dass eine energetisch sinnvolle Sanierung UND der Erhalt des historischen Charakters der Architektur und des Siedlungs-Ensembles möglich sind, zeigen uns gelungene Beispiele aus dem Ruhrpott und anderen Regionen. So etwas muss auch in Nürnberg möglich sein!

Geplanter Teilabriss der Siedlung Heimgartenweg

Wir haben erfahren, das das Wohnungsbauunternehmen Nürnberg-Ost einen Teil der historischen Siedlung am Heimgartenweg und der Waldluststraße in Zabo aus den 1920er Jahren abreißen und die Grundstücke in höherer Verdichtung neu bebauen will. Die Stadtbild-Initiative Nürnberg spricht sich gegen den Abbruch der Häuser aus; das bis heute weitgehend erhaltene Ensemble der Siedlung würde dadurch schwer beschädigt und damit auch ein integraler Bestandteil der „Siedlungshochburg“ Zabo. Lesen Sie hier unsere Mitteilung an die Lokalpresse.

Hier zwei aktuelle Fotos der zum Abbruch anstehenden Häuserzeile Waldluststraße 111-121. Obwohl die Häuser in den letzten Jahrzehnten vom Eigentümer offenbar nur wenig instandgehalten wurden, zeigen sie anschaulich die hohe Qualität der Architektur im so genannten „Heimatstil“, wie man ihn in den 1920er Jahren schätzte (Fotos: © Boris Leuthold):

Pressespiegel: Siedlung Heimgartenweg

Sabine Ebinger: Kommentar: Die Stadt muss besser hinschauen. In: Nürnberger Nachrichten, 22. Mai 2017.

Sabinge Ebinger: Die Einheit der alten Siedlung ist in Gefahr. Fehlender Ensembleschutz in Zabo: Die ersten Häuser sind plattgemacht — Stadt lehnt Erhaltungssatzung ab. In: Nürnberger Nachrichten, 22. Mai 2017.

Sabine Ebinger: Abriss historischer Häuser: Verliert Zabo seine Identität? In: Nürnberger Zeitung, 16. April 2017.

Sabine Ebinger: Anwohner kritisieren Abriss von historischen Häusern. Vorstadtverein Zabo fordert Erhaltungssatzung für Siedlung am Heimgartenweg. In: Nürnberger Zeitung, 15. April 2017 [bisher nur in der Printausgabe].

Boris Leuthold/Sebastian Gulden: Wo die Cluberer einst heimisch waren. Die Reihenhäuser in Zabos Südwesten. In: Nürnberger Zeitung, 28. März 2017.

Sabine Ebinger: Heimgartenweg in Zabo: Sechs Häuser vor dem Abriss. In: Nürnberger Nachrichten, 26. März 2017.

Neues Ensemblegebiet in Großreuth hinter der Veste

Nürnberg ist um ein Denkmal-Ensemble reicher. Seit Oktober 2016 ist der historische Ortskern von Großreuth hinter der Veste an der Großreuther Straße zwischen Rollnerstraße und Langem Steig offiziell als Ensemble in der Bayerischen Denkmalliste verzeichnet. Der Grund: Nirgends sonst auf Nürnberger Stadtgebiet lässt sich die Entwicklung des Knoblauchsländer Bauernhauses reichhaltiger und schöner ablesen als hier. Verstädterung, Flächenfraß und Krieg zum Trotz konnte sich Großreuth seine kulturelle Identität mit Bauten aus vier Jahrhunderten bis in unsere Tage erhalten.

Um diese Identität für unsere und kommende Generationen zu bewahren, gelten im Ensemblegebiet nun besondere Regeln für den An-, Aus- und Umbau bestehender Gebäude und für Neubauten auf Brach- oder Abbruchflächen. Wichtig ist, dass von dieser Regelung auch jene Bauten betroffen sind, die nicht ohnehin schon als Einzeldenkmale unter Schutz stehen.

Um den Bauherrn bei der Planung ihrer künftigen Vorhaben unter die Arme zu greifen, hat die Bauordnungsbehörde der Stadt Nürnberg unter Redaktion von Nikolaus Bencker einen Gestaltungsleitfaden herausgegeben. Er gibt Anregungen, wie sich Modernisierungen und Veränderungen an Bestandsbauten und neue Anwesen harmonisch in das Ensemble einfügen lassen. Einige gelungene Beispiele aus jüngerer Zeit belegen, dass dies möglich ist, ohne dass dabei die individuellen Wünsche und Geschmäcker der Bauherrn auf der Strecke bleiben müssen.

Die Mitglieder der Stadtbild-Initiative Nürnberg hoffen, dass sich Großreuth hinter der Veste sein einzigartiges Ensemble auch in den kommenden Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten bewahren wird und dass die Bauherrn und Architekten unserer Zeit die Tradition in würdiger Weise fortschreiben werden.

Interessenten erhalten den Gestaltungsleitfaden für das Ensemble Großreuth hinter der Veste im Dienstleistungszentrum Bau in der Lorenzer Straße 30.

Abschied von der Siedlung Schillingstraße VII

Das Zerstörungswerk geht der Vollendung entgegen: Die letzte Zeile an der Schillingstraße wird nun abgerissen, der Bagger beginnt mit dem Eckhaus zur Sperberstraße, welches erst von einigen Jahren energetisch saniert wurde. Wenn in wenigen Tagen die Siedlung verschwunden sein wird, ist zugleich eine der ältesten wbg-Siedlungen in Nürnberg vernichtet. Das, was nachkommt, wird als Wettbewerbsgewinner bereits mit Vorschusslorbeeren bedacht, aber ob es auch diesen identitätsstiftenden Charakter mitbringen wird, bleibt abzuwarten. Fotos: © Boris Leuthold.

Abschied von der Werderstraße 25 II

Mittlerweile steht nur noch das Erdgeschoss. Die letzten zu bergenden Spolien dürften die kunstvollen Fenstersimse des ersten Obergeschosses sein, die jetzt ausgebaut werden müssen. Es ist wirklich bedauerlich, dass selbst der Denkmalschutz kein Werkzeug zur Vermeidung dieses Zerstörungswerkes sein konnte. Passanten gehen entrüstet daran vorbei und fragen sich, warum man so etwas abreißen dürfe, während der Denkmalschutz an deren Objekten Zähne zeigt. Fotos: © Boris Leuthold

Abschied von der Werderstraße 25 I

Es ist eine dunkle Zeit für Nürnbergs historische Bauten. Nun reißt der Bauträger auch das Haus Werderstraße 25 im Rennweg ab. Bedenkt man, wie viele Baudenkmale Nürnberg im Zweiten Weltkrieg verloren hat, wie viele Schätze in den Jahrzehnten danach noch abgerissen oder verunstaltet wurden, fehlen einem die Worte, wie so etwas im Jahr 2017 noch passieren kann. Auch den Abbruch der Werderstraße 25 werden wir in Bildern begleiten, in der Hoffnung, dass sie eine Mahnung für die Zukunft sein werden. Fotos: © Boris Leuthold