Für den Erhalt des Gründerzeithauses Werderstraße 25

Das Gründerzeithaus Werderstraße 25 im Stadtteil Rennweg ist in Gefahr. Das Nürnberger Bauunternehmen Schultheiss Wohnbau AG plant, das Gebäude mit seiner schmucken Sandsteinfassade im Nürnberger Stil abzureißen. An seine Stelle soll ein Neubau mit ca. 30 Eigentumswohnungen treten. Die Folge: Die Werderstraße und der Fenitzerplatz, mit deren Altbau-Charme der Bauträger ausgerechnet wirbt, verlören eine ihrer besterhaltenen Fassaden.

Nachdem Stadtheimatpflegerin Dr. Claudia Maué bereits am 3. Februar den Erhalt des 1897 bis 1898 von Baumeister Heinrich Ochs erbauten Hauses angemahnt hatte, schließt sich die Stadtbild-Initiative Nürnberg diesem Aufruf nun mit Nachdruck an.

Heute fand ein neuerlicher Termin mit der Presse vor dem Haus statt, bei dem wir unseren Standpunkt dargelegt haben:

 

Gründerzeithaus Werderstraße 25

Schultheiss Wohnbau plant Abriss und verdichtete Neubebauung

– Pressegespräch am 23. Februar 2016, 11 Uhr –

Fenitzerplatz, Werderstraße, Fenitzerstraße, Adamstraße, Heerwagenstraße: Ein Stadtquartier, geprägt durch vielfältige Architektur v. a. aus der Gründerzeit und dem Jugendstil, durch charmante kleine Läden und Restaurants, durch beruhigte Straßen und Plätze und durch Stadtgrün. Hiermit wirbt die Firma Schultheiss Wohnbau für ihr neues Wohnbauprojekt Werderstraße 23-25. In ihrem neuesten Schultheiss-Magazin ist auch ein sehr beeindruckendes romantisches Bild vom Fenitzer Platz aus auf die Ecke Werderstraße mit dem Gründerzeithaus Werderstraße 25 abgedruckt.

Nur leider genau dieses Haus mit den originalen Fassaden aus den Baujahren 1897/1898 soll nach den Plänen der Fa. Schultheiss verschwinden. Es soll zusammen mit dem Nachbarhaus Nr. 23 abgerissen werden, um zwei neuen Wohnriegeln an der Straße und im Hof Platz zu machen.

Die Stadtbild-Initiative Nürnberg ist der Auffassung, dass das Haus Werderstraße 25 – wenn auch nicht denkmalgeschützt – doch sehr wohl schützenswert ist. Es ist mit seiner harmonisch gegliederten typischen Gründerzeitfassade ein prägender Teil des Fenitzerplatz-Quartiers.

Wir appellieren an einen verantwortungsvollen und kreativen Bauträger, dass er das Ambiente der Umgebung seines Bauobjektes erhält und weiterentwickelt. Wir sehen es als reizvolle und anspruchsvolle Aufgabe für einen Architekten an, Vorschläge für die Kombination von Neubau (Werderstraße 23) und Erhalt eines historischen Altbaus (Werderstraße 25) zu entwerfen.

Wir verweisen auf die letztlich erfolgreichen Bemühungen um den Erhalt der Fassade des Hauses Adamstraße 41, ein paar Schritte um die Ecke herum. Eine einvernehmliche Lösung sollte auch in der Werderstraße zu finden sein.

Die Stadtbild-Initiative Nürnberg appelliert an die Stadt und an das Baureferat, mit dem Bauträger Ideen für die nachbarschaftliche Kombination Erhalt und Neubau gemeinsam zu entwickeln. Am Ende sollte ein Architektenentwurf stehen, der dem Baukunstbeirat der Stadt Nürnberg zur Begutachtung vorgelegt wird.

 

Stadtbild Initiative Nürnberg:

Altstadtfreunde, Prof. Dr. H. Beck, M. Bengl, Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur – J. Martz, Geschichte Für Alle, S. Gulden, E. Hönekopp, S. Kett, M. Krannich-Pöhler, Chr. Kraus, Prof. Dr. B. Kreis, B. Leuthold, Stadtheimatpflegerin Dr. C. Maué, Dr. M. Metzner, B. Sesselmann, St. Schwach, Stadtökologie Nürnberg, J. Thiel.

Bau 508 in der Tilly-Kaserne gerettet!

Ein schöner Erfolg! Obwohl die Gebäude der Tilly-Kaserne nicht unter Denkmalschutz stehen, ist ihr Erhalt nicht nur der Stadtbild-Initiative Nürnberg wichtig. Auf Anfrage von Stadtheimatpflegerin Dr. Claudia Maué hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann nun in einem Brief versichert, den zeitweise vom Abbruch bedrohten Bau Nr. 508 doch sinnvoll in das Nutzungskonzept des Polizeigeländes einzubinden.

Hierzu werden zunächst Sicherungsmaßnahmen eingeleitet: Es werden ein Notdach errichtet und die Fenster provisorisch verschlossen. Anschließend beginnen die Planungen für die Sanierung. Es sei versichert, dass der Umbau in derselben vorbildlichen Form vonstatten gehen soll, wie es bei Gebäude 507 gelungen ist.

Wir freuen uns, dass mit dieser Entscheidung ein wichtiger Baustein Nürnberger Geschichte für die kommenden Generationen bewahrt wird! Im bereits renovierten Gebäude 507 lässt sich absehen, welch hohes Niveau für die Sanierung der 508 zu erwarten ist:

Stadtbild-Initiative spricht sich für Erhalt der Umladehallen in Lichtenreuth aus

Die Planungen für den neuen Stadtteil Lichtenreuth auf dem Südbahnhof-Gelände laufen auf Hochtouren. Was bisher wenige wissen: Auf dem Gelände fristet eine „Kathedrale der Technik“ einen Dornröschenschlaf. Die gewaltigen, 1929 geplanten Umladehallen wären ein ideales Zentrum für den neuen Stadtteil und ein architektonisches Aushängeschild für die ganze Stadt: ein Mittelpunkt mit Geschichte und ein lichtes Hallenbauwerk, das in Nürnberg und weit darüber hinaus seinesgleichen sucht.

Während die aktuellen Planungen den Abbruch vorsehen, spricht sich die Stadtbild-Initiative Nürnberg für den Erhalt und die Umnutzung des historisch und architektonisch bedeutenden Bauwerks aus. Nürnberg hat viel Potential – wir sollten es nutzen, anstatt Chance um Chance zu verspielen. Ein zweites Milchhof-Debakel kann sich unsere Stadt nicht leisten!

Lesen Sie dazu den aktuellen Bericht in der Lokalpresse: Claudine Stauber: Initiative fordert: Hallen an Brunecker Straße sollen bleiben. In: Nürnberger Nachrichten, 05. August 2015.

Umladehallen_1957
Das Innere der Umladehallen im Jahr 1957. Lange Zeit zählte das technische Wunderwerk aus Stahlbeton zu den größten Hallenkonstruktion der Welt.

Stellungnahme der Stadtbild-Initiative zum Ergebnis des Wettbewerbs Hauptpost

Die Stadtbild-Initiative Nürnberg stand und steht dem drohenden Abriss des Kopfbaus der Hauptpost am Bahnhofsplatz kritisch gegenüber.

Das nun vorliegende Wettbewerbsergebnis scheint keinen würdigen Ersatz des historisch bedeutenden und das Stadtbild prägenden Kopfbaus hervorzubringen.

Die prämierten Entwürfe gehen dafür zu wenig auf die Umgebung und die Bedeutung des Ortes ein, sie wirken stattdessen wie internationale Standardkost. Die zu erwartende Wirkung auf das Stadtbild wird als wenig befriedigend beurteilt, da sich auf diese Weise die gleichförmige Gestaltung der Hotelneubauten aus den letzten Jahren entlang der Bahnhofstraße bis zum Hauptbahnhof hin fortsetzt. Der kraftvoll gegliederte denkmalgeschützte Rundbau wird nicht organisch an einen Neubau angebunden, sondern in eine Front aus Rasterfassaden verpflanzt. Das Potenzial, das der scheinbar nicht abzuwendende Abriss des Kopfbaus bieten könnte, muss als weitgehend ungenutzt vergeben angesehen werden. Der drohende Verlust dieses markanten Baus, der auch die wechselvolle Geschichte unserer Stadt in 20. Jahrhundert exemplarisch vor Augen führt, wirkt dadurch noch schmerzvoller.

Grundsätzlich ist nicht erkennbar, nach welchen Kriterien die Wettbewerbsbeiträge beurteilt wurden: Nutzbarkeit für den Investor, architektonische Gestaltung, Wirkung auf Stadtbild und Bahnhofsplatz und Zusammenhang mit den umgebenden historischen Gebäuden. Dies sollte in der Begründung offengelegt werden. Das gleiche gilt dann auch für die weitere Bearbeitung der Entwürfe.

Wir hoffen und erwarten, dass die weitere Bearbeitung der Entwürfe zu deutlichen Verbesserungen führt.

Wir regen außerdem an, die Wettbewerbsergebnisse nicht nur wenige Tage, sondern deutlich länger der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

Stadtbild-Initiative Nürnberg:

Prof. Dr. Hartmut Beck, Michael Bengl, Karl-Heinz Enderle (Altstadtfreunde Nürnberg e. V.), Heike Hein, Wolf Hergert (Geschichte für Alle e. V.), Elmar Hönekopp, Siegfried Kett, Christina Kraus, Boris Leuthold, Jochen Martz (Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur), Dr. Michael Metzner, Stefan Schwach, Thomas Späth (Stiftung Stadtökologie), Joachim Thiel

Verschärfte Auflagen für Wärmedämmungen aus Polystyrol stehen bevor

Gibt es bald verschärfte Auflagen für den Anbau von Fassadendämmungen aus Polystyrol? Zu hoffen wäre es auf Grund der letzten Feuerkatastrophen an gedämmten Fassaden, bei denen sogar Menschen zu Tode gekommen sind. In jedem Fall tut ein kritischer Blickwinkel auf das Thema „energetische Sanierung“ nach wie vor Not. Unsere Kinder werden es uns danken, wenn wir ihnen nicht noch mehr Altlasten und noch mehr verschandelte Fassaden hinterlassen als ohnehin schon – dafür aber Häuser, die sinnvoll fit gemacht sind für die Zukunft und trotzdem eine Zier für unsere Stadtbilder sind.

Hier der aktuelle Pressebericht: Güven Purtul: Feuer an der Fassade. In: Süddeutsche Zeitung, 23. Juli 2015.

Aktuelle Medienberichte zum Wettbewerb Hauptpost

Die Lokalmedien berichteten in den letzten Tagen über die Ergebnisse der Architekturwettbewerbs zur Hauptpost. Die endgültige Entscheidung, welches Projekt wie und von wem umgesetzt wird, steht jedoch noch aus. Die Stadtbild-Initiative Nürnberg ist gespannt auf die Reaktionen der Bürgerinnen und Bürger:

André Fischer: Der Sieger, der noch nicht gewonnen hat. In: Nürnberger Zeitung, 21. Juli 2015 (online seit 23. Juli).

Daniel Bendl: Architektur-Wettbewerb zu Ende. So stellt man sich die Neubebauung vor. Auf: Nürnberg und so, 23. Juli 2015.

Claudine Stauber: Jetzt steht fest, wie Nürnbergs Bahnhofsplatz aussehen wird. In: Nürnberger Nachrichten, 7. Februar 2016.

Wettbewerb für die Hauptpost beendet

Die Sieger des Architekturwettbewerbs um die Neubebauung des Hauptpost-Areals am Bahnhofsplatz sind bekannt (Quelle: Nürnberger Zeitung, 22. Juli 2015, Printausgabe). Die Jury kürte die Entwürfe des Berliner Architekten Max Dudler sowie Auer & Weber aus München zu gleichberechtigten Gewinnern. Auf die Plätze 3 bis 4 schafften es die Entwürfe von Knerer & Lang sowie Bär Stadelmann Stöcker aus Nürnberg. Ein 2. Platz wurde nicht vergeben. Auch Mitglieder der Stadtbild-Initiative Nürnberg waren beratend an dem Verfahren beteiligt.

Alle prämierten Entwürfe sehen einen Neubau an Stelle des Kopfbaus aus den 1930er Jahren vor. Die Stadtbild-Initiative steht dem Abbruch des stadtbildprägenden Bauwerks nach wie vor kritisch gegenüber. Die zentralen Forderungen der Stadtbild-Initiative, Wert auf Einklang mit den historischen Nachbargebäuden zu legen, eine Maximalhöhe von rund 40 Metern einzuhalten und sich gestalterisch vom Einerlei der Hotelneubauten etwa an der Bahnhofstraße abzusetzen, sind aber zumindest teilweise berücksichtigt worden.

Wer die Siegerentwürfe selbst in Augenschein nehmen möchte, kann sie vom 22. Juli bis 29. Juli 2015 in der ehemaligen Hauptpost am Bahnhofsplatz besichtigen. Die Ausstellung ist wochentags von 10 bis 18 Uhr und am Wochenende von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

3D-Visualisierungen zu den eingereichten Entwürfe finden Sie im Deutschen Architekturforum. Die Entwürfe 1001 und 1003 teilen sich den 1. Platz, die Projekte 1008 und 1011 erhielten den 3. bzw. 4. Preis.

Pinselfabrik ist Geschichte

Die letzten Reste der Pinselfabrik verschwinden (© Heike Hein, 2015).
Die letzten Reste der Pinselfabrik verschwinden (© Heike Hein, 2015).

Die ehemalige Pinselfabrik in der Veillodterstraße 1 ist vernichtet. Seit Juni wurde das 1861 errichtete historische Industriegebäude Stück für Stück zerstört. Auch der letzte verbliebene Rest des alten Baumbestandes wird beseitigt. Die Zukunft wird zeigen, ob die Bauherrin Bauhaus Liebe & Partner der Aufgabe gewachsen ist, einen ansatzweise adäquaten Nachfolgebau an Stelle der Pinselfabrik zu errichten. Die bisher bekannten Plänen und Visualisierungen geben jedoch keinen Anlass zur Hoffnung (siehe Prospekt des Bauträgers, PDF).

Die Proteste der Bürgerinitiative „Erhalt der Pinselfabrik“ haben den Abbruch nicht verhindern können, doch hat der große Widerstand der Anwohner gezeigt, dass das Interesse am Erhalt historischer Bauten wächst. Dies ist ein positives Zeichen, auch wenn es für die Pinselfabrik zu spät kommt. Durch unüberlegte Abbrüche und lieblos geplante Neubebauung, die einzig nach Maßgabe größtmöglicher Rendite geschieht, verliert Nürnberg mehr und mehr an Charakter. Können wir es uns leisten, nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und den Sanierungswellen der Nachkriegszeit noch mehr von unserer städtebaulichen Geschichte zu opfern? Wir sagen: Nein. Denn was bringt den Bewohnerinnen und Bewohnern ein Umfeld, in dem sie nicht mehr leben wollen?

Fassadendämmung rentiert sich oft erst nach 51 Jahren

Eine aktuelle Studie belegt: Die Dämmung einer Altbaufassade zahlt sich für den Eigentümer oft erst nach 51 Jahren aus – sofern er die Früchte seiner Investition überhaupt noch miterlebt. Dieses Ergebnis sollte Anreiz sein für die Besitzer stadtbildprägender Gebäude, anderen Maßnahmen für Klimaschutz und Kosteneinsparung am Haus – etwa der Fenster- und Heizungssanierung – den Vorzug zu geben. Davon profitieren nicht nur Geldbeutel und Umwelt, sondern auch das Stadtbild, dem seine historischen Fassaden erhalten bleiben.