Gerettet: Bauernhaus Schnepfenreuther Hauptstraße 65

Gerne teilen wir mit Ihnen die Freude über eine großartige, eine sehr positive Überraschung: das Bauernhaus in der Schnepfenreuther Hauptstraße 65 hat sein Gesicht wieder, und welches! Sehen Sie selber das Ergebnis auf den beigefügten aktuellen Fotos (© Boris Leuthold, 2016):


Vor gut zwei Jahren hatten wir feststellen müssen:  588 Jahre Hausgeschichte unter 15 Zentimetern Außendämmung – Die Sandsteinfassade des Bauernhauses Schnepfenreuther Hauptstraße 65 erstickt unter Polystyrol. Das Bauernhaus Schnepfenreuther Hauptstraße 65 bot damals ein trauriges Bild. Die mit Gesimsen und dekorativen Schnecken versehene Sandsteinfassade des unter Denkmalschutz stehenden Anwesens hatte die Eigentümerin mit einer Außendämmung aus aschgrauen Polystyrolplatten versehen lassen; hier noch einmal Bilder vom damaligen Zustand (© Boris Leuthold, 2014):

Und die NN schrieb: „Baudenkmal verliert sein Gesicht – Ein historisches Bauernhaus von 1803 wurde mit dicken Styroporplatten gedämmt. Ein über 200 Jahre altes Bauernhaus in Schnepfenreuth ist kaputtsaniert worden. Jetzt hat der Denkmalschutz die Bauarbeiten gestoppt.“ (NN v. 4.3.2014)

Sie erinnern sich: Die Dämmarbeiten wurden nach unserer Intervention, nach den öffentlichen Berichten und aufgrund des Eingreifens der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Nürnberg gestoppt. Die Dämmung wurde wieder entfernt. Unklar war damals, wie es weitergeht, ob eine Dämmruine auf Dauer bleiben würde. Heute dürfen wir mit Freude feststellen, dass sich die Eigentümerin dann doch dazu entschlossen hat, das Anwesen denkmalgerecht zu restaurieren. Sie hat so sich selbst und ihrem Heimatdorf ein Stück gebaute Identität bewahrt.

Betrachtet man das Ergebnis der Hausrenovierung im Detail, so erkennt man, dass die Eigentümerin fachlich gut beraten wurde, und dass sie Könner als ausführende Handwerker beauftragt hat: Die Sandsteinfassade leuchtet; die Gesimse, die dekorativen Schnecken und die Fassadenbänder sind wieder hergerichtet; die historischen Jahreszahlen sind gut lesbar; der Schlussstein thront oben wieder über dem Ganzen; Fensterläden, geteilte Fenster und ein schlichter Fassadenputz an der Straßenfront und am Nebenhaus runden den Eindruck ab. Gratulation!

„Verbietet das Bauen“ – Diskussionsveranstaltung mit Daniel Fuhrhop

Für die, denen das Stadtbild am Herzen liegt, haben wir eine ganz besondere Veranstaltung: Morgen, am Dienstag, den 7. Juni 2016, 19 Uhr, lädt BauLust e. V. den Autor Daniel Fuhrhop zur Diskussion ins Künstlerhaus (Königstraße 93, 1. Stock). Näheres zur öffentlichen Diskussionsveranstaltung und Fuhrhops aufesehenerregender These „Verbietet das Bauen“ erfahren Sie in der beigefügten Einladung:

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In der Rieppelstraße verschwindet Baukunst unter Dämmplatten

In der Siedlung an der Rieppelstraße am Hasenbuck greift der Dämmwahn um sich: Die in den 1920er Jahren erbauten Mietshäuser werden Zug um Zug mit einer Dämmung versehen, die zu allem Überfluss auch noch in schreienden Farben gestrichen werden. Die reizvollen Details der Fassaden wie die Betonung der Hausecken durch rote Klinkersteine und Gesimse wurden bereits zum Teil abgeschlagen. Die Kellerzonen aus Klinker hat man schon mit billig wirkenden Fliesen verkleidet, eine Art der Verunstaltung, die man spätestens seit den 1980er Jahren ausgestorben glaubte.

Die Stadtbild-Initiative Nürnberg hat bereits versucht, mit der Wohnungsgenossenschaft Nürnberg Süd-Ost darüber ins Gespräch zu kommen – bislang ohne Erfolg. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, eine Mitteilung an die Presse zu senden, einmal eine Auge auf diese architektonisch, städtebaulich und auch energetisch fragwürdige Maßnahme zu werfen. Anbei lesen Sie unsere Mitteilung an die Lokalpresse:


 

Aus Häusern mit Charakterfassaden werden charakterlose Allerweltsbauten

Die Wohnungsgenossenschaft Nürnberg Süd-Ost lässt seit einigen Wochen die Fassaden und Fenster ihrer Häuser in der Rieppelstraße renovieren (teilweise auch wärmedämmen). Die Fassaden waren gekennzeichnet durch über Eck eingefügte Terrakotta-Bänder, umlaufende Geschoßbänder, Fenster- und Türrahmungen, geteilte Fenster und Sockel aus farbigen Sandsteinziegeln. Bei einem Großteil der Häuser sind diese Charakteristika inzwischen verschwunden. Stattdessen sind modisch-farbige Allerweltsfassaden entstanden. Am letzten Haus in der Rieppelstraße und an den dahinterliegenden Bauten kann man die frühere Fassadengestaltung noch „erleben“ (siehe anhängende Bilder).Die Stadtbild-Initiative Nürnberg hat dies nur zufällig mitbekommen. Wir haben dann versucht, mit der Wohnungsgenossenschaft Nürnberg Süd-Ost Kontakt aufzunehmen, um (auch zusammen mit dem Energieexperten in unseren Reihen von Stadtökologie Nürnberg) Alternativen zu diskutieren. Leider haben wir keine Antwort erhalten.

Am morgigen Freitag (03.06.2016) weiht der Bürgerverein Nürnberg-Hasenbuck um 16:30 Uhr das wiederhergestellte Rieppel-Denkmal am Hasenbuck ein. Möglicherweise werden Sie vor Ort sein. Dann sollten Sie die Chance nutzen und einen kleinen Rundgang durch die Rieppelstraße und die dahinterliegende Wohngegend machen, um sich eine eigene Meinung zu den aktuellen Veränderungen zu bilden.

Als Hintergrundinformation fügen wir einige Zeilen zur Entstehungsgeschichte der Wohnbebauung am Hasenbuck und ein paar Bilder zum „bisher“ und „jetzt“ in der Rieppelstraße bei.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

für die Stadtbild-Initiative Nürnberg

Elmar Hönekopp

Dr.-Karl-Theodor-Marx-Haus in der Marienstraße vom Abriss bedroht

Eines der letzten Zeugnisse der alten Marienvorstadt ist akut vom Abbruch bedroht: Ein Investor plant, das Anwesen Marienstraße 15/Flaschenhofstraße 2 für einen Neubau abzureißen. Das 1862 erbaute Gebäude ist eines der letzten und ältesten aus den Anfangsjahren der Marienvorstadt, der ersten Stadterweiterung Nürnbergs nach dem Mittelalter. Als Wohn- und Geschäftshaus des jüdischen Blech- und Spielzeugfabrikanten Ignaz Bing und als Sitz der Nürnberger Nothilfe ist das Haus ein Denkmal Nürnberger Geschichte.

Die Stadtbild-Initiative Nürnberg tritt für den Erhalt des wirtschafts- und sozialgeschichtlich, städtebaulich und architektonisch bedeutenden Gebäudes ein. Lesen Sie nachfolgend die Mitteilung unserer Initiative (verfasst von unserem Mitglied Stadtheimatpflegerin Dr. Claudia Maué), die heute der Presse zugegangen ist:


Kein Abriss des Dr.-Karl-Theodor-Marx-Hauses (Marienstr. 15/Flaschenhofstr. 2)!

Pressemitteilung

Anfang Mai erfuhr die Stadtbild-Initiative Nürnberg, dass das stattliche Gebäude Marienstraße 15 abgerissen und durch ein Wohnhaus mit 38 Einheiten ersetzt werden soll. Da der Besitzer des Grundstücks die gewünschte Wohnungszahl im Bestandsgebäude nicht unterbringen kann, soll das bestens erhaltene Haus dem Abbruch zum Opfer fallen.

Abgesehen von der Ablehnung dieser aus Gründen der Nachhaltigkeit fragwürdigen Praxis, ältere, aber intakte Bausubstanz einem angeblich profitableren Neubau zu opfern, stehen einem Abbruch der Marienstraße 15 und dem mit ihr verbundenen Gebäudekomplex an der Flaschenhofstraße 2 gewichtige Argumente entgegen:

Das Haus Marienstraße 15 ist trotz seiner Veränderungen durch den Wiederaufbau nach der Teilzerstörung im Zweiten Weltkrieg eines der letzten Zeugnisse für die großbürgerlichen Bauten in der „Marienvorstadt“, die als erste planmäßige Nürnberger Stadterweiterung durch den Stadtbaurat Bernhard Solger in die Wege geleitet worden war. Seinem Bebauungsplan zufolge entstand in einem offenen Bausystem ein Wohnviertel mit Vorgärten und Grünflächen, in dem sich an der Nordseite der Marienstraße traufseitige Solitärbauten mit zentralen Zwerchhäusern aneinanderreihten. In diesem Zusammenhang wurde 1862 das Haus Marienstraße 15 vom Maurermeister Georg Gsundbrunn errichtet.

1878 kaufte die Firma Gebrüder Bing, später als Bing-Werke die größte Spielzeugfabrik der Welt, das Haus Marienstr. 15 und das sich nordöstlich bis zur Flaschenhofstraße reichende Areal, um darauf ihre ersten Lager- und Ausstellungsräume zu errichten. Für die 1892 geplante Erneuerung der Lagergebäude beauftragte die Firma den für seine Fabrikbauten bekannten Architekten Georg Richter, der später für die Firma Bing auch das große Fabrikgebäude in der Stephanstraße errichtete – heute Sitz der Firma Diehl.

Ignaz Bing, der Mitbegründer der Firma, wohnte ab 1878 in der Marienstr. 15 und verstarb hier 1918, als Geheimer Kommerzienrat und Träger der Silbernen Bürgermedaille der Stadt Nürnberg hoch geehrt. Als Entdecker der nach ihm benannten „Binghöhle“ bei Streitberg war er auch Ehrenbürger von Streitberg. Ein weiterer Bewohner des Hauses war der Mitbegründer der Hercules-Werke, Ernst Marschütz. Damit beherbergte das Haus zwei bedeutende Vertreter des jüdischen Wirtschaftsbürgertums, die maßgeblichen Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung Nürnbergs hatten. Nach Ignaz Bings Tod wohnte dort noch sein Sohn, der Schriftsteller und Literaturkritiker Siegmund Bing, der engen Kontakt zu Jakob Wassermann, dem Prager Kreis mit Werfel, Rilke, Brod und Kisch sowie zu Thomas und Heinrich Mann pflegte.

1928 erwarb die „Nürnberger Nothilfe“ das Doppelanwesen Flaschenhofstraße 2 / Marienstraße 15 und richtete dort Verwaltungsräume, eine Küche und einen Speisesaal ein. Die „Nürnberger Nothilfe“ war im November 1923 gegründet worden, und wurde u.a. von Vertretern des Nürnberger Wirtschaftslebens getragen. Etliche jüdische Unternehmer spielten eine wichtige Rolle als Unterstützer und Funktionäre des Vereins, so der im Holocaust ermordete Mitinhaber des Bankhauses Kohn, Kommerzienrat Dr. Richard Kohn. Wichtigstes Ziel des Vereins war die Linderung der nachkriegsbedingten allgemeinen Hungersnot, die zunächst Geldsammlungen, Vermittlung von Patenschaften für bedürftige Familien oder direkte Einladungen an hungernde Kinder zum Essen in Familien organisierten. Ein weiteres Mittel zur Beschaffung von Geldern waren Warenlotterien, bei denen u.a. als Hauptgewinn ein „Landhaus“ in der neu angelegten „Villenkolonie Weigelshof“ winkte; das noch bestehende Haus in der Danziger Str. 16 wurde 1925 durch den Architekten Karl Griesser erbaut. Die vereinseigene Suppenküche wurde 1928 in der Flaschenhofstr. 2 eingerichtet, in der Folgezeit mehrfach erweitert und um eine hauseigene Metzgerei bereichert.

Im 3. Reich blieb der 1934 gleichgeschaltete Verein Eigentümer des Gebäudes und übernahm zusätzliche Funktionen als provisorische Jugendherberge und als Quartier für französische und russische Kriegsgefangene. Unter dem Diktat der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt versorgte die Nürnberger Nothilfe die Kinderspeisung, das Winterhilfswerk, rund 30 Fabriken im Stadtgebiet und nicht zuletzt die Reichsparteitage.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt das 1950 wieder aufgebaute Haus Marienstr. 15 den Namen „Dr.-Karl-Theodor-Marx-Haus“. Damit wollte man die Bedeutung Marx’ (1892 – 1958) für die Nürnberger Nothilfe manifestieren, die 1946 mit der Ernennung zum Ehrenvorstand des Vereins gewürdigt worden war. Marx hatte die Nürnberger Nothilfe initiiert und 1924-1933 als Kassenwart mitgearbeitet. Über seine wichtige Rolle für die Nürnberger Nothilfe hinaus spielte Marx für die Nürnberger Sozialgeschichte eine wichtige Rolle: Als stellvertretender Wohlfahrtsreferent war er für die Arbeits- und Obdachlosenfürsorge zuständig und engagierte sich ehrenamtlich in der privaten Wohlfahrtspflege (Nürnberger Hilfswerk, Nürnberger Nothilfe, Landesverband für Wandererfürsorge). Der parteilose Marx wurde 1933 aus politischen Gründen entlassen und von den Nationalsozialisten diffamiert. 1945 als Amtsleiter wiederberufen, wurde Marx 1947 zum Gesundheits- und Wohlfahrtsreferenten gewählt. Der von ihm wieder eingeführte soziale Beratungsdienst hatte seinen Sitz in der Marienstr. 15. In seiner zweiten Amtszeit setzte er sich für den Wiederaufbau der Kaiserstallung als Jugendherberge sowie für den Bau von Kliniken und Altenheimen ein.

Neben seiner Nutzung als Sitz des sozialen Beratungsdienstes diente das wieder errichtete Haus Marienstr. 15 als Verwaltungssitz der Nürnberger Nothilfe und als Wohngebäude für Mitglieder des Vereinsvorstands. Später mietete die Nürnberger Stadtverwaltung Büros für die Erziehungs- und Familienberatung des Jugendamtes an, zuletzt hatte die Deutsche Akademie für Fußballkultur hier ihren Sitz.

Für die Erhaltung des Gebäudekomplexes bestehen demnach drei gute Gründe:

1) Architekturgeschichtliche Gründe

Auch in der heutigen, veränderten Gestalt gibt das Gebäude Marienstr. 15 einen Eindruck von der bis auf wenige Reste verschwundene Bebauung der „Marienvorstadt“. Der Komplex Flaschenhofstr. 2 hat weitgehend die Fassadengestaltung von 1892 durch den bedeutenden Architekten Georg Richter bewahrt.

2) Wirtschaftsgeschichtliche Gründe

Als Firmensitz der Bing-Werke, als Wohnhaus des Kommerzienrats Ignaz Bing sowie des Mitinhabers der Hercules-Werke Ernst Marschütz besitzt der Gebäudekomplex eminente Bedeutung für die von jüdischen Unternehmern entscheidend geprägte Wirtschaftsgeschichte Nürnbergs.

3) Sozialgeschichtliche Gründe

Fast hundert Jahre war das Anwesen Sitz des Vereins Nürnberger Nothilfe, der an dieser Stelle enorme Leistungen für die Wohlfahrtspflege der Stadt erbrachte. Darüber hinaus trägt das Haus Marienstr. 15 den Namen von Karl Theodor Marx und erinnert so an eine der herausragenden Persönlichkeiten der Nürnberger Stadtverwaltung der Nachkriegszeit.

Mit freundlichen Grüßen

für die Stadtbild-Initiative Nürnberg
Elmar Hönekopp

PS: Text und Bilder können mit Quellenangabe verwendet werden.

Für den Erhalt des Gründerzeithauses Werderstraße 25

Das Gründerzeithaus Werderstraße 25 im Stadtteil Rennweg ist in Gefahr. Das Nürnberger Bauunternehmen Schultheiss Wohnbau AG plant, das Gebäude mit seiner schmucken Sandsteinfassade im Nürnberger Stil abzureißen. An seine Stelle soll ein Neubau mit ca. 30 Eigentumswohnungen treten. Die Folge: Die Werderstraße und der Fenitzerplatz, mit deren Altbau-Charme der Bauträger ausgerechnet wirbt, verlören eine ihrer besterhaltenen Fassaden.

Nachdem Stadtheimatpflegerin Dr. Claudia Maué bereits am 3. Februar den Erhalt des 1897 bis 1898 von Baumeister Heinrich Ochs erbauten Hauses angemahnt hatte, schließt sich die Stadtbild-Initiative Nürnberg diesem Aufruf nun mit Nachdruck an.

Heute fand ein neuerlicher Termin mit der Presse vor dem Haus statt, bei dem wir unseren Standpunkt dargelegt haben:

 

Gründerzeithaus Werderstraße 25

Schultheiss Wohnbau plant Abriss und verdichtete Neubebauung

– Pressegespräch am 23. Februar 2016, 11 Uhr –

Fenitzerplatz, Werderstraße, Fenitzerstraße, Adamstraße, Heerwagenstraße: Ein Stadtquartier, geprägt durch vielfältige Architektur v. a. aus der Gründerzeit und dem Jugendstil, durch charmante kleine Läden und Restaurants, durch beruhigte Straßen und Plätze und durch Stadtgrün. Hiermit wirbt die Firma Schultheiss Wohnbau für ihr neues Wohnbauprojekt Werderstraße 23-25. In ihrem neuesten Schultheiss-Magazin ist auch ein sehr beeindruckendes romantisches Bild vom Fenitzer Platz aus auf die Ecke Werderstraße mit dem Gründerzeithaus Werderstraße 25 abgedruckt.

Nur leider genau dieses Haus mit den originalen Fassaden aus den Baujahren 1897/1898 soll nach den Plänen der Fa. Schultheiss verschwinden. Es soll zusammen mit dem Nachbarhaus Nr. 23 abgerissen werden, um zwei neuen Wohnriegeln an der Straße und im Hof Platz zu machen.

Die Stadtbild-Initiative Nürnberg ist der Auffassung, dass das Haus Werderstraße 25 – wenn auch nicht denkmalgeschützt – doch sehr wohl schützenswert ist. Es ist mit seiner harmonisch gegliederten typischen Gründerzeitfassade ein prägender Teil des Fenitzerplatz-Quartiers.

Wir appellieren an einen verantwortungsvollen und kreativen Bauträger, dass er das Ambiente der Umgebung seines Bauobjektes erhält und weiterentwickelt. Wir sehen es als reizvolle und anspruchsvolle Aufgabe für einen Architekten an, Vorschläge für die Kombination von Neubau (Werderstraße 23) und Erhalt eines historischen Altbaus (Werderstraße 25) zu entwerfen.

Wir verweisen auf die letztlich erfolgreichen Bemühungen um den Erhalt der Fassade des Hauses Adamstraße 41, ein paar Schritte um die Ecke herum. Eine einvernehmliche Lösung sollte auch in der Werderstraße zu finden sein.

Die Stadtbild-Initiative Nürnberg appelliert an die Stadt und an das Baureferat, mit dem Bauträger Ideen für die nachbarschaftliche Kombination Erhalt und Neubau gemeinsam zu entwickeln. Am Ende sollte ein Architektenentwurf stehen, der dem Baukunstbeirat der Stadt Nürnberg zur Begutachtung vorgelegt wird.

 

Stadtbild Initiative Nürnberg:

Altstadtfreunde, Prof. Dr. H. Beck, M. Bengl, Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur – J. Martz, Geschichte Für Alle, S. Gulden, E. Hönekopp, S. Kett, M. Krannich-Pöhler, Chr. Kraus, Prof. Dr. B. Kreis, B. Leuthold, Stadtheimatpflegerin Dr. C. Maué, Dr. M. Metzner, B. Sesselmann, St. Schwach, Stadtökologie Nürnberg, J. Thiel.

Bau 508 in der Tilly-Kaserne gerettet!

Ein schöner Erfolg! Obwohl die Gebäude der Tilly-Kaserne nicht unter Denkmalschutz stehen, ist ihr Erhalt nicht nur der Stadtbild-Initiative Nürnberg wichtig. Auf Anfrage von Stadtheimatpflegerin Dr. Claudia Maué hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann nun in einem Brief versichert, den zeitweise vom Abbruch bedrohten Bau Nr. 508 doch sinnvoll in das Nutzungskonzept des Polizeigeländes einzubinden.

Hierzu werden zunächst Sicherungsmaßnahmen eingeleitet: Es werden ein Notdach errichtet und die Fenster provisorisch verschlossen. Anschließend beginnen die Planungen für die Sanierung. Es sei versichert, dass der Umbau in derselben vorbildlichen Form vonstatten gehen soll, wie es bei Gebäude 507 gelungen ist.

Wir freuen uns, dass mit dieser Entscheidung ein wichtiger Baustein Nürnberger Geschichte für die kommenden Generationen bewahrt wird! Im bereits renovierten Gebäude 507 lässt sich absehen, welch hohes Niveau für die Sanierung der 508 zu erwarten ist:

Stadtbild-Initiative spricht sich für Erhalt der Umladehallen in Lichtenreuth aus

Die Planungen für den neuen Stadtteil Lichtenreuth auf dem Südbahnhof-Gelände laufen auf Hochtouren. Was bisher wenige wissen: Auf dem Gelände fristet eine „Kathedrale der Technik“ einen Dornröschenschlaf. Die gewaltigen, 1929 geplanten Umladehallen wären ein ideales Zentrum für den neuen Stadtteil und ein architektonisches Aushängeschild für die ganze Stadt: ein Mittelpunkt mit Geschichte und ein lichtes Hallenbauwerk, das in Nürnberg und weit darüber hinaus seinesgleichen sucht.

Während die aktuellen Planungen den Abbruch vorsehen, spricht sich die Stadtbild-Initiative Nürnberg für den Erhalt und die Umnutzung des historisch und architektonisch bedeutenden Bauwerks aus. Nürnberg hat viel Potential – wir sollten es nutzen, anstatt Chance um Chance zu verspielen. Ein zweites Milchhof-Debakel kann sich unsere Stadt nicht leisten!

Lesen Sie dazu den aktuellen Bericht in der Lokalpresse: Claudine Stauber: Initiative fordert: Hallen an Brunecker Straße sollen bleiben. In: Nürnberger Nachrichten, 05. August 2015.

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Das Innere der Umladehallen im Jahr 1957. Lange Zeit zählte das technische Wunderwerk aus Stahlbeton zu den größten Hallenkonstruktion der Welt.

Stellungnahme der Stadtbild-Initiative zum Ergebnis des Wettbewerbs Hauptpost

Die Stadtbild-Initiative Nürnberg stand und steht dem drohenden Abriss des Kopfbaus der Hauptpost am Bahnhofsplatz kritisch gegenüber.

Das nun vorliegende Wettbewerbsergebnis scheint keinen würdigen Ersatz des historisch bedeutenden und das Stadtbild prägenden Kopfbaus hervorzubringen.

Die prämierten Entwürfe gehen dafür zu wenig auf die Umgebung und die Bedeutung des Ortes ein, sie wirken stattdessen wie internationale Standardkost. Die zu erwartende Wirkung auf das Stadtbild wird als wenig befriedigend beurteilt, da sich auf diese Weise die gleichförmige Gestaltung der Hotelneubauten aus den letzten Jahren entlang der Bahnhofstraße bis zum Hauptbahnhof hin fortsetzt. Der kraftvoll gegliederte denkmalgeschützte Rundbau wird nicht organisch an einen Neubau angebunden, sondern in eine Front aus Rasterfassaden verpflanzt. Das Potenzial, das der scheinbar nicht abzuwendende Abriss des Kopfbaus bieten könnte, muss als weitgehend ungenutzt vergeben angesehen werden. Der drohende Verlust dieses markanten Baus, der auch die wechselvolle Geschichte unserer Stadt in 20. Jahrhundert exemplarisch vor Augen führt, wirkt dadurch noch schmerzvoller.

Grundsätzlich ist nicht erkennbar, nach welchen Kriterien die Wettbewerbsbeiträge beurteilt wurden: Nutzbarkeit für den Investor, architektonische Gestaltung, Wirkung auf Stadtbild und Bahnhofsplatz und Zusammenhang mit den umgebenden historischen Gebäuden. Dies sollte in der Begründung offengelegt werden. Das gleiche gilt dann auch für die weitere Bearbeitung der Entwürfe.

Wir hoffen und erwarten, dass die weitere Bearbeitung der Entwürfe zu deutlichen Verbesserungen führt.

Wir regen außerdem an, die Wettbewerbsergebnisse nicht nur wenige Tage, sondern deutlich länger der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

Stadtbild-Initiative Nürnberg:

Prof. Dr. Hartmut Beck, Michael Bengl, Karl-Heinz Enderle (Altstadtfreunde Nürnberg e. V.), Heike Hein, Wolf Hergert (Geschichte für Alle e. V.), Elmar Hönekopp, Siegfried Kett, Christina Kraus, Boris Leuthold, Jochen Martz (Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur), Dr. Michael Metzner, Stefan Schwach, Thomas Späth (Stiftung Stadtökologie), Joachim Thiel

Verschärfte Auflagen für Wärmedämmungen aus Polystyrol stehen bevor

Gibt es bald verschärfte Auflagen für den Anbau von Fassadendämmungen aus Polystyrol? Zu hoffen wäre es auf Grund der letzten Feuerkatastrophen an gedämmten Fassaden, bei denen sogar Menschen zu Tode gekommen sind. In jedem Fall tut ein kritischer Blickwinkel auf das Thema „energetische Sanierung“ nach wie vor Not. Unsere Kinder werden es uns danken, wenn wir ihnen nicht noch mehr Altlasten und noch mehr verschandelte Fassaden hinterlassen als ohnehin schon – dafür aber Häuser, die sinnvoll fit gemacht sind für die Zukunft und trotzdem eine Zier für unsere Stadtbilder sind.

Hier der aktuelle Pressebericht: Güven Purtul: Feuer an der Fassade. In: Süddeutsche Zeitung, 23. Juli 2015.