Ausstellungs-Dokumentation zu den Umladehallen am Südbahnhof jetzt erhältlich

Im Februar startete unsere Ausstellung „Vergessen im Süden – Die Umladehallen am Nürnberger Südbahnhof“ im Museum Industriekultur in Nürnberg. Die Ausstellung ist inzwischen zu Ende gegangen. Das Interesse war erfreulich groß.

Nun liegt uns die Dokumentation der Ausstellung in gedruckter Form vor – eine Vorschau finden Sie hier. Auf 84 Seiten werden in Vier-Farb-Druck das gesamte Bildmaterial der Ausstellung, alle Pläne und Texte plus zusätzliche zusammenfassende Erläuterungen präsentiert. Sie können die Dokumentation erwerben gegen Entrichtung einer Schutzgebühr von 7 €  (plus Versandkosten von 1,60 € ) je Exemplar (bei mehreren Exemplaren geringere Versandkosten pro Exemplar). Schicken Sie bitte  Ihre Bestellung über kontakt@stadtbild-initiative-nuernberg.de unter Angabe Ihrer Adresse. Wir informieren Sie dann über die Bankverbindung, auf die das Geld zu überweisen ist.

Auch der Nachdruck der Masterarbeit von Jan Müller ist noch erhältlich: „Urbane Ressourcen – Reaktivierung der ehemaligen Güterumladehalle Nürnberg“ (Nürnberg 2016). Die Masterarbeit haben wir in Teilen in der Ausstellung zeigen können. Sie können den Nachdruck zu einer Schutzgebühr von 5 €  (plus Versandkosten von 1,60 € ) auf dem gleichen Weg wie die Dokumentation bestellen. Falls Sie beides (Dokumentation und Nachdruck) bestellen, reduzieren sich die Gesamt-Versandkosten ein wenig.

 

Fassadenmalereien am Bleiweißbunker verschwinden

Ein stadtbildprägendes Bauwerk im Nürnberger Süden verliert sein Gesicht: Der Hochbunker an der Augustenstraße in Bleiweiß wurde 1941 errichtet. Die trutzigen, meterstarken Betonmauern versah man mit Walmdächern, um den Bau beim Blick aus der Luft als normales Wohngebäude zu tarnen. Die kahlen Außenmauern bereicherte der Nürnberger Künstler Wolfgang Harms 1987 mit einer fantastischen Illusionsmalerei mit Architekturmotiven der Antike.

Nun lässt ein privater Investor, der der Bunker bereits vor Jahren aus dem Besitz des Bundes ersteigert hat, umbauen. Mauerdurchbrüche zerstören die beliebten Malereien und damit den Charakter eines Bauwerks, das sich vom „schwierigen Denkmal“ der NS-Zeit zu einem Wahrzeichen des Stadtteils Bleiweiß gemausert hat. Eine etwas überlegtere Planung und ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Bauwerk und seiner beeindruckenden Fassadenkunst wäre wünschenswert – vor allem mit Blick darauf, dass der Bunker in Zukunft einen Kinderhort beherbergen soll. Wieso vernichtet man hochwertige, noch dazu humorvolle Fassadenkunst, die auch und gerade die kleinen Bürger mit ihren wachen Augen für die Details der Welt zu schätzen wüssten?

Der Baukunstbeirat kritisierte die Vorgänge auf seiner Sitzung im letzten September deutlich, auch deshalb, weil die Stadt Nürnberg und damit wir Bürgerinnen und Bürger die Malereien einst mit 120.000 D-Mark finanziert haben (Fotos: © Boris Leuthold).

Presseinformation zur Eröffnung der Ausstellung „Vergessen im Süden“

Heute wurde die Ausstellung „Vergessen im Süden. Die Umladehallen am Nürnberger Südbahnhof“ im Museum Industriekultur eröffnet! Lesen Sie hier die Handreichung, die heute im Rahmen der Eröffnung an die anwesenden Vertreter der Presse ging.

Außerdem gibt es hier die Eröffnungsvorträge von Elmar Hönekopp, Wolf Hergert und Brigitte Sesselmann zum Nachlesen.

 

Ausstellungsankündigung

Vergessen im Süden
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Umladehallen am Nürnberger Südbahnhof

Eine Ausstellung der Stadtbild-Initiative Nürnberg im Museum Industriekultur
15. Februar bis 22. April 2018

In Kooperation mit:
BauLust e.V., BUND Naturschutz Kreisgruppe Nürnberg Stadt, Geschichte Für Alle e.V., Martin Kopp und Georg Lang  (Fotografen), Jan Müller, M.A. (Architektur), Nürnberg – Stadtbild im Wandel

Lesen Sie hier die offizielle Broschüre zur Ausstellung!

 

Dokumentation zur Siedlung Schillingstraße erschienen

Der Verein Geschichte für alle e. V., Kooperationspartner unserer Initiative, hat auf Betreiben der Stadtbild-Initiative Nürnberg und im Auftrag der WBG eine Dokumentation zur abgebrochenen Siedlung Schillingstraße herausgegeben. Wer mehr über eine der frühesten sozialen Wohnungsbauprojekte in Nürnberg erfahren möchte, kann das mit historischem und aktuellem Bildmaterial reich ausgestattete Werk von Magdalena Prechsl und Bernd Windsheimer hier herunterladen.

Haus Maxfeldstraße 53 zum Baudenkmal erklärt

Gute Nachrichten aus dem Maxfeld! Lange war die Zukunft des Hauses Maxfeldstraße 53 mehr als ungewiss. Nach dem Tod der letzten Eigentümerin war das schmucke Handwerkerhaus an eine Erbengemeinschaft übergegangen und sollte verkauft werden. Zahlreiche Nachbarn und auch die Stadtbild-Initative Nürnberg befürchteten, dass das schützenswerte Haus durch einen hochverdichteten Neubau ersetzt würde. Dabei gehört der Bau mit seinem charakteristischen Zwerchhaus zu den letzten erhaltenen frühen Vorstadthäusern in Nürnberg; an der Fassade prangt die Jahreszahl „1879“.

Nun hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege das Haus Maxfeldstraße 53 offiziell in die Denkmalliste aufgenommen. Damit bildet es mit seinem ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Nachbarhaus Maxfeldstraße 51 ein anschauliches Ensemble, das die Gestalt des Maxfeldes vor dem Bombenkrieg in einem kleinen, aber feinen Ausschnitt dokumentiert.

Wir hoffen, dass die aktuellen oder künftigen Eigentümer das Haus Maxfeldstraße 53 ebenso liebevoll und pfleglich behandeln wie die Generationen zuvor. Es ist eines der letzten seiner Art, einer der letzten Zeugen einer längst vergangenen Zeit, dessen Spuren die Bomben des Zweiten Weltkriegs und der Wiederaufbau gerade im Maxfeld ansonsten leider sehr gründlich getilgt haben.

Die Häuser Maxfeldstraße 51, 53 und 55
Die Häuser Maxfeldstraße 51, 53 und 55. Foto: © Boris Leuthold (2017)

Auf Fassadendämmung verzichten – aber wie?

Seit einiger Zeit erreichen uns immer wieder Anfragen verunsicherter Haus- und Wohnungseigentümer. Unter dem Eindruck der aktuellen Umwelt- und Energiepolitik und der aggressiven Werbung vieler Hersteller von Fassaden-Dämmsystemen befürchten sie, ihren Altbau mit einer Außendämmung versehen zu müssen – obwohl sie dies gar nicht wollen und/oder finanziell stemmen können. Die Verunsicherung ist verständlich, und noch mehr der Wunsch, auf solche Maßnahmen zu verzichten. Nicht wenige wollen ihr Haus nicht durch die zusätzliche Außenhaut verschandeln, wie dies leider auch in Nürnberg schon vielfach geschehen ist. Einige Beispiele haben wir in unserer Kategorie „Kaputtgedämmt“ gesammelt, ein jüngeres Beispiel in der Helenenstraße 44 sehen Sie hier (Fotos: © Boris Leuthold):

Besonders erhaltenswerte Bausubstanz (§ 24 EneV)

Was viele nicht wissen: Die Energieeinsparverordnung (EneV) bietet auch in ihrer aktuellen Fassung Möglichkeiten, sich vom Dämmzwang befreien zu lassen. Dies ist dann hilfreich, wenn:

  • Ihr Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht,
  • Ihr Gebäude  trotzdem erhaltenswerte Bausubstanz besitzt, z. B. eine
    • charakteristische Fassadengestaltung aufweist, die mit der Umgebung in Zusammenhang steht,
    • besonderen Bauschmuck aufweist, etwa Stuckverzierungen, Sandsteinelemente, Mosaike oder Putzbilder (Sgraffiti),
    • die charakteristische Fassadengestaltung durch Dämmung verschwinden würde usw.
  • Sie trotzdem KfW-Fördermittel in Anspruch nehmen möchten.

Gemäß § 24 EneV kann Ihre zuständige Kommune dies schriftlich bestätigen – das entsprechende Antragsformular können Sie hier herunterladen. Mit dieser Bestätigung ist die Beantragung von KfW-Fördermitteln auch ohne Fassadendämmung möglich. Ihr Energieberater ist nur dann ein guter Berater, wenn er Sie auf diese Möglichkeiten hinweist.

Wirtschaftlichkeitsgebot (§25 EneV)

Natürlich kann die EneV Sie nicht dazu zwingen, Ihr Haus in Wärmedämmung einzupacken. Eine solche Regelung würde tief in Ihr Eigentumsrecht eingreifen. Daher hat der Verordnungsgeber eine Schutzklausel vorgesehen: Danach kann auf eine Wärmedämmung dann verzichtet werden, wenn sie zu einem unangemessenen (finanziellen) Aufwand führen würde, z. B. wenn die Kosten der Dämmmaßnahme innerhalb einer angemessenen Frist durch die eintretenden Einsparungen nicht erwirtschaftet werden können. Hierzu gibt es bereits einschlägige Gerichtsurteile, die die Nutzungsdauer und Amortisation zwischen 20 und 30 Jahren definieren. Hierbei muss man unbedingt berücksichtigen, dass:

  • eine Wärmedämmung die vom Hersteller versprochenen Einsparungen oft nur dann erreichen kann, wenn das gesamte Bauwerk „luftdicht“ ist, d. h. alle Außenwände sowie Fenster, Türen, Keller und Dach bereits luftdicht/neu sind. Die Dichtheit wird mit dem sog. „Blower-Door-Test“ überprüft. Damit werden Undichtigkeiten zweifelsfrei und schnell erkannt.
  • innerhalb der Amortisationsdauer Unterhaltskosten hinzukommen können, z. B. (Algenbeseitigung, Spechtlöcher, Neuanstrich, etc.).
  • die Einsparungen auch immer vom Nutzerverhalten abhängig sind: Wer vor einer Fassadendämmung schon wenig heizt, wird anschließend einen entsprechend geringeren Einspareffekt feststellen. Zudem muss das Nutzerverhalten auf die neuen Verhältnisse angepasst werden (z. B. Kippfenster vermeiden).

Die gesamten Kosten einer Wärmedämmung müssten demnach der erwartbaren Einsparung an Heizkosten entsprechen. Was sind Ihre Heizkosten auf 20 oder 30 Jahre hochgerechnet? Gäbe es nicht andere Einsparpotenziale? Eine umfassende Energieberatung klärt auch hierüber auf und empfiehlt die sinnvollen Maßnahmen in der richtigen Reihenfolge. Die Befreiung nach § 25 EneV erteilt die Stadt Nürnberg auf formlosen, schriftlichen Antrag bei der Bauordnungsbehörde. Grundlage des Antrags ist eine Bestätigung eines Energieberaters, dass die hierfür erforderlichen Voraussetzungen gemäß EneV vorliegen.

Lassen Sie sich nicht zu einer Dämmung überreden, wenn Sie sie nicht wirklich wollen! Sicherlich lässt sich Ihre Wohnung auch mit einer charakteristischen Außenfassade gut vermieten. Vergessen Sie nicht: Schöne, repräsentative Altbauten sind besonders bei zahlungskräftigen Mietern sehr gefragt!

Beratung

Wenn Sie eine Beratung wünschen, empfehlen wir Ihnen, mit der Energie-Einstiegsberatung der Stadt Nürnberg (SAMS-Sanieren und Bauen mit System) Kontakt aufzunehmen:

Stadt Nürnberg, Umweltamt
Telefon: 09 11 / 231-43 69
E-Mail: sams@stadt.nuernberg.de

Wichtiger Hinweis: Bitte beachten Sie, dass die Stadtbild-Initiative keine Rechtsberatung und keine Energieberatung anbieten kann.

Sgraffito am Wöhrder Pfarrhaus von Dämmung bedroht

Kaum anderswo in Nürnberg waren die Verheerungen des Zweiten Weltkriegs so drastisch wie in Wöhrd. Die Nachkriegszeit baute den Stadtteil auf altem Grundriss, aber in zeitgenössischen Formen wieder auf. Dabei entstanden einige interessante Kratzputzbilder (Sgraffiti), die die Fassaden der ansonsten schlichten Bauten verschönern.

Eines dieser Bilder ist nun in Gefahr: Das Pfarrhaus der evangelisch-lutherischen Bartholomäusgemeinde am Weinickeplatz soll mit einer Fassadendämmung versehen werden. Das monumentale Sgraffito des Künstlers Kurt Busch, das gleichzeitig als Sonnenuhr dient, würde dadurch verschwinden. Es zeigt die Heilige Familie auf dem „Schiff der Kirche“ mit den Personifikationen von Glaube, Hoffnung und Liebe. Die Verheißung der Versöhnung Gottes mit den Menschen wird durch die „Galionsfigur“ der Taube mit dem Ölzweig als Zeichen für das Ende der Sintflut verdeutlicht.

Wir finden: Wöhrd hat gerade in den letzten Jahren so viel an seiner durchaus erhaltenswerten Substanz der Nachkriegszeit einbüßen müssen. Ein prägendes und kunsthistorisch wertvolles Fassadenbild darf nicht einfach aus dem Stadtbild verschwinden! Derzeit prüft das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, ob das Pfarrhaus oder zumindest das Wandbild in die Bayerisch Denkmalliste aufgenommen wird. Wir drücken die Daumen!

Foto: © Boris Leuthold, 2017

 

Dr.-Karl-Theodor-Marx-Haus: Der Abbruch hat begonnen

Das Wohnungsbauunternehmen WIN ist dabei, an der Flaschenhof- und der Marienstraße Tatsachen zu schaffen, obwohl für die Neubebauung noch keinerlei Pläne veröffentlicht wurden. Wieder einmal wird in Nürnberg mit dem Dr.-Karl-Theodor-Marx-Haus ein wertvolles historisches Zeugnis der Stadt- und Architekturgeschichte geopfert.

Wohnungen werden fraglos gebraucht. Doch wer möchte in einem Umfeld leben, dass all seinen Reiz und seine historische Identität verloren hat? Pragmatiker werden einwenden, es gäbe dringendere Probleme. Und werden anschließend ins sonnige Italien oder nach Frankreich fahren und ihren Lieben Ansichtskarten pittoresker Altstädte schicken, während daheim die Bagger Altbau um Altbau niederreißen – verkehrte Welt.