Pressespiegel: Neubaugebiet Regensburger Straße

Abschied von der Siedlung Schillingstraße I

Wir haben uns intensiv und mit guten Argumenten beim Oberbürgermeister, bei den Stadtratsfraktionen und bei der wbg für den Erhalt des Ensembles Sperber-, Schilling-, Galvani- und Pillenreuther Straße eingesetzt – leider vergeblich. Nun rücken die Bagger an und vernichten ein „nicht-erhaltenswertes“, doch sehr  denkmalwürdiges Ensemble. Wieder verschwindet ein Stück gewachsenes Nürnberg. Ist das Nachhaltigkeit? Verträgt sich das mit der Ambition, Europäische Kulturhauptstadt zu werden? Wir werden mit einer Fotosequenz von unserem Mitglied Boris Leuthold Abschied nehmen.

Freitag, 2.12.16: Noch stehen die Häuser, die Gärten sind schon abgeräumt…

 

 

Die historische Marienvorstadt verschwindet

„Ein Denkmal der sozialen Arbeit in Nürnberg“ – so hatte Dr. Karl Theodor Marx das Haus Marienstraße 15 bei der Wiedereinweihung nach dem Krieg im Jahr 1950 bezeichnet. Im Gegensatz zu Dr. Marx, den Mitgliedern der Stadtbild-Initiative Nürnberg und vielen Nürnbergerinnen und Nürnbergern wollen das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und der Petitionsausschuss des Bayerischen Landtages den Denkmalwert des Hauses nicht erkennen. Damit nicht genug: Auch das benachbarte Anwesen Marienstraße 23 soll bald abgebrochen werden.

Dr.-Karl-Theodor-Marx-Haus
Dr.-Karl-Theodor-Marx-Haus

Der Abbruch der beiden Bauwerke, zwei der letzten erhaltenen Gebäude der alten Marienvorstadt, ist beschlossene Sache. An dieser Stelle erlauben wir uns die Frage, wie viel vom historischen Nürnberg nach den schrecklichen Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs noch vernichtet wird, bis endlich ein Umdenken in der Politik einsetzt.

Lesen Sie anbei unsere Mitteilung, die wir heute an die lokale Presse übersendet haben:

Pressemitteilung zum geplanten Abbruch des Dr.-Karl-Theodor-Marx-Hauses

Autohaus-Krauss-Gelände: Ergebnisse des Ideenwettbewerbs zu einer künftigen Nutzung

Am Dienstag, 22.11.16, wurden vom Bauherren KIB-Gruppe die Ergebnisse eines Ideenwettbewerbs zur künftigen Nutzung des 28.000 qm großen ehemaligen Autohaus-Krauss-Geländes (Regensburger Straße, Hain-, Scharrerstraße, mit denkmalsgeschützten Gebäuden) vorgestellt (siehe NN v. 23.11.16, S. 13). Die Ergebnisse können bis einschließlich Samstag, 26.11.16 (jeweils 15 – 18 Uhr), in Nürnberg, Scharrerstraße 5 (Verwaltungsgebäude der KIB-Gruppe), eingesehen werden.

Öffentliche Führungen durch das geplante Neubaugebiet Regensburger Straße

Regensburger Straße: ein neuer Stadtteil mit ca. 2.700 Einwohnern entsteht

Öffentliche Führungen über das Gelände am 10. und 11. Dezember 2016, jeweils um 14 Uhr.

Treffpunkt: Hans-Kalb-Straße, Ecke Regenburger Straße.

Dauer bis zu zwei Stunden.

Neubebauung schon im ersten von drei Baubereichen auf gleichgroßem Gelände wie Pastorius-Siedlung für doppelt soviel Bewohner wie dort vorgesehen. – Privatisierung und Umwidmung der Gebäude des August-Meier-Heims (AMH) – Bau eines neuen AMH – weitere umfangreiche Neubauten östlich vom AMH – Gewerbegebiet – neues IKEA: Es tut sich eine Menge auf diesem Streifen längs der Regensburger Straße. Wir sehen durchaus die Potentiale, wir sehen aber auch noch viele ungelöste Fragen.

Wir fordern v. a.: Gesamtkonzept für die drei Bebauungsplangebiete – deutlich weniger dichte Bebauung – Sicherung bzw. Wiederherstellung des Grünstreifens (grüne Stadteinfahrt) – Baumschutz – Berücksichtigung des Denkmalschutzes und des historischen Hintergrundes des Geländes!

Machen Sie sich selbst vor Ort ein Bild von den Planungen und Entwicklungen längs der Regensburger Straße. Wir laden alle Interessierten herzlich dazu ein, mit uns das Gebiet zu besichtigen.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wir freuen uns über Ihr Interesse!

Eine Initiative von:

  • Stadtbild-Initiative Nürnberg
  • Vorstadtverein Zabo e.V.
  • BUND Naturschutz Nürnberg
  • Bündnis 90 / Die Grünen – OV Zabo/Mögeldorf/Gleißhammer

Unsere Forderungen zum Neubaugebiet Regensburger Straße

An der Regensburger Straße – von der Hans-Kalb-Straße bis einschließlich neuem IKEA-Gelände – entsteht ein neuer Stadtteil mit ca. 2.700 Einwohnern. Heute trafen sich Vertreter der Stadtbild-Initiative Nürnberg, des BUND Naturschutz Nürnberg, des Vorstadtvereines Zabo e. V. und des Ortsvereines Zabo von Bündnis 90/Die Grünen mit Pressevertretern, um ihre Überlegungen, Hinweise und Anregungen zu den Planungen längs der Regensburger Straße darzulegen. Im Zentrum unserer Forderungen an Stadt, Planer und Bauherren stehen: ein tragfähiges Gesamtkonzept für das gesamte Areal, Gestaltung einer angemessenen Bebauungsdichte, Klärung der Schulfrage und Schulwegplanung, Sicherung und Wiederherstellung des Wald-/Grünstreifens an der Regensburger Straße, Baumschutz – auch innerhalb der Bebauung, die Beachtung des Denkmalschutzes bei einer Privatisierung und Umnutzung des August-Meier-Heimes und die Berücksichtigung des geschichtlichen Hintergrundes des Geländes (z. B. durch die Errichtung der Jugendbegegnungsstätte für das Doku-Zentrum in den denkmalgeschützten Gebäuden). Lesen Sie hier unsere Handreichung für die Presse im Wortlaut:

Handreichung zum Neubaugebiet Regensburger Straße (PDF-Datei; 2,7 MB)

Außerdem berichteten die Nürnberger Nachrichten in ihrer Ausgabe vom 21. November 2016 über die Geländebegehung und unsere Forderungen.

Bauernhof Großreuther Straße 77 unter Denkmalschutz

Im Oktober letzten Jahres hatte die Nachricht über den drohenden Abbruch des Bauernhauses Großreuther Str. 77 im Stadtnorden erhebliches Aufsehen erregt. Das mächtige Wohnstallhaus vom Typ des fränkischen „Breithauses“ mit tief herabgezogenem, dreigeschossigem Satteldach war vielen Spaziergängern und Radlern ein Begriff, weil es dem von der Rollnerstraße Kommenden so eindrucksvoll ins Auge fiel und das Entree zum Stadtteil Großreuth hinter der Veste betonte. Das mächtige, ursprünglich aus dem frühen 18. Jahrhundert stammende Wohnstallhaus wurde im Zweiten Weltkrieg bis auf die Außenmauern zerstört, aber schon 1946 durch den Architekten Hanns Sebald in der alten Form wieder aufgebaut. Die rückwärtige Scheune stammt ebenfalls aus der Nachkriegszeit; das Nebengebäude wurde zur Garage umgebaut, trägt aber am Giebel eine Kartusche mit der Jahreszahl 1851.

Nach einer Überprüfung der Hofanlage durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege wurde das Wohnstallhaus mit dem Nebengebäude und der Einfriedungsmauer als Einzeldenkmal (Nr. D-5-64-000-4795) in die Bayerische Denkmalliste eingetragen. Dabei war vor allem die geschichtliche Bedeutung der Hofanlage entscheidend: Der Hof wurde vermutlich 1719 durch die in diesem Jahr nach Großreuth zugezogene Familie Schaller errichtet, die einer Auflistung aus dem Jahr 1929 zu den zehn am längsten im Dorf ansässigen Familien gehörte. Dem Hof wurde im Dezember 1945 bescheinigt, dass er als einer der größten Gemüsebaubetriebe im Knoblauchsland für die Versorgung des Nürnberger Stadtgebietes von außerordentlicher Wichtigkeit war.

Außerdem war die architekturhistorische Bedeutung des Hofs ein gewichtiges Argument für seine Bewertung als Einzeldenkmal. Als eingeschossiges Wohnstallhaus mit dreizoniger Binnengliederung und mächtigem Satteldach ist es ein ungewöhnlich anschauliches Beispiel für das frühneuzeitliche „Breithaus“, das besonders in großen Gehöften anzutreffen ist. Auch der Wiederaufbau von 1946 ist bemerkenswert durch sein Festhalten an der überkommenen, offensichtlich weiterhin als funktional empfundenen Raumteilung des 18. Jahrhunderts im Erdgeschoss und aufgrund der bewussten Wiederherstellung des barocken äußeren Erscheinungsbildes durch die Aufrichtung des neuen Dachstuhl in historisierender Form. Dadurch zeigt das Gebäude in ungewöhnlich deutlicher Weise das Fortleben ländlicher Bautradition über das Ende des Zweiten Weltkrieges hinaus. „Das Wohnstallhaus ist in seinem weitgehend authentischen Erhaltungszustand von um 1946 sehr selten gewordenes bauliches Beispiel für das bayernweit zu beobachtende Phänomen, dass der Einbruch der Moderne auf dem Land erst in den 1960er Jahren einsetzte. Die im ausgebauten Dachgeschoss überlieferte Ausstattung von 1946 in Form von schlicht kassettierten Zimmertüren und schmalen Dielenholzböden dokumentiert darüber hinaus die allgemeine Mangellage der unmittelbaren Nachkriegsjahre.“

Zudem hat die Hofanlage eine eminent wichtige städtebauliche Bedeutung: Sie bildet zusammen mit der gegenüberliegenden, 1745 errichteten Hofanlage Großreuther Straße 84 das Eingangstor zu der den Ortsteil bestimmenden Großreuther Hauptstraße. Die bis heute unveränderte Dorfeingangssituation wurde auch im Jahre 1946 als Hauptargument für den Wiederaufbau des Hofes „ als ein Eckpfeiler … zur Erhaltung des Landschaftsbildes“ ins Feld geführt.

Gerettet: Bauernhaus Schnepfenreuther Hauptstraße 65

Gerne teilen wir mit Ihnen die Freude über eine großartige, eine sehr positive Überraschung: das Bauernhaus in der Schnepfenreuther Hauptstraße 65 hat sein Gesicht wieder, und welches! Sehen Sie selber das Ergebnis auf den beigefügten aktuellen Fotos (© Boris Leuthold, 2016):


Vor gut zwei Jahren hatten wir feststellen müssen:  588 Jahre Hausgeschichte unter 15 Zentimetern Außendämmung – Die Sandsteinfassade des Bauernhauses Schnepfenreuther Hauptstraße 65 erstickt unter Polystyrol. Das Bauernhaus Schnepfenreuther Hauptstraße 65 bot damals ein trauriges Bild. Die mit Gesimsen und dekorativen Schnecken versehene Sandsteinfassade des unter Denkmalschutz stehenden Anwesens hatte die Eigentümerin mit einer Außendämmung aus aschgrauen Polystyrolplatten versehen lassen; hier noch einmal Bilder vom damaligen Zustand (© Boris Leuthold, 2014):

Und die NN schrieb: „Baudenkmal verliert sein Gesicht – Ein historisches Bauernhaus von 1803 wurde mit dicken Styroporplatten gedämmt. Ein über 200 Jahre altes Bauernhaus in Schnepfenreuth ist kaputtsaniert worden. Jetzt hat der Denkmalschutz die Bauarbeiten gestoppt.“ (NN v. 4.3.2014)

Sie erinnern sich: Die Dämmarbeiten wurden nach unserer Intervention, nach den öffentlichen Berichten und aufgrund des Eingreifens der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Nürnberg gestoppt. Die Dämmung wurde wieder entfernt. Unklar war damals, wie es weitergeht, ob eine Dämmruine auf Dauer bleiben würde. Heute dürfen wir mit Freude feststellen, dass sich die Eigentümerin dann doch dazu entschlossen hat, das Anwesen denkmalgerecht zu restaurieren. Sie hat so sich selbst und ihrem Heimatdorf ein Stück gebaute Identität bewahrt.

Betrachtet man das Ergebnis der Hausrenovierung im Detail, so erkennt man, dass die Eigentümerin fachlich gut beraten wurde, und dass sie Könner als ausführende Handwerker beauftragt hat: Die Sandsteinfassade leuchtet; die Gesimse, die dekorativen Schnecken und die Fassadenbänder sind wieder hergerichtet; die historischen Jahreszahlen sind gut lesbar; der Schlussstein thront oben wieder über dem Ganzen; Fensterläden, geteilte Fenster und ein schlichter Fassadenputz an der Straßenfront und am Nebenhaus runden den Eindruck ab. Gratulation!